Leben

Geschichten, die das Leben schreibt.

Vorab eine kleine Warnung: Dies ist ein sehr persönlicher und langer Blogpost… Und es werden wohl in Zukunft desöfteren auch mal persönlichere Posts folgen. Wer meint, sowas habe im Internet nichts verloren oder wen es schlichtweg nicht interessiert, der möge mit einer anderen Beschäftigung als dem Lesen meines Blogs fortfahren ;P

Vor anderthalb Jahren dachte ich, dass ich zu diesem heutigen Zeitpunkt verlobt sein würde. Ich dachte, ich hätte den Mann gefunden, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen würde. Ich hatte das Brautkleid meiner Träume auf Pinterest gespeichert und malte mir eine verspielte Hochzeit irgendwo an einem Brandenburger See aus. Ein altes Karussell wollte ich gern haben. Einen Zuckerwattestand. Und einen Fotoautomaten für die Erinnerungsfotos.
Doch wie es mit Träumen so ist – irgendwann wacht man auf. Und das meist nicht durch einen zärtlichen Kuss auf die Stirn, sondern durch das eiskalte Nass eines Eimers Wasser, der dir mit voller Wucht ins Gesicht geklatscht wird.

Kurz vor unserem 4. Jahrestag trennte er sich von mir. Kurz vor Abflug in unseren ersten, richtigen Urlaub packte er seine Sachen und verließ die gemeinsame Wohnung. Wenige Wochen nachdem wir uns Verlobungsringe angesehen hatten, fiel die Tür hinter ihm ins Schloss und er würde nicht mehr zurück kommen.

Meine Welt brach zusammen wie ein Kartenhaus.

Es folgten Wochen und Monate in denen ich mich so beschissen fühlte wie nie. Viele Formalitäten mussten geklärt werden, er holte seine Sachen aus der Wohnung, gemeinsam gekaufte Gegenstände mussten aufgeteilt und/oder darüber verhandelt werden und irgendwo in diesem ganzen Chaos versuchte ich, stark zu bleiben und mein Leben im Griff zu behalten. Ohne einige liebe Menschen an meiner Seite, wäre mir das wohl kaum gelungen. Ich danke euch. <3

Liebe wurde zu Hass als ich Monate nach der Trennung erfuhr, dass er mich während der Beziehung mehrfach betrogen hatte. Wer war dieser Mensch, mit dem ich 4 Jahre meines Lebens verbracht hatte? Ich wusste es nicht mehr. Hatte er mir nur etwas vorgespielt? Was in unserer Beziehung war wirklich echt? Waren seine Gefühle für mich echt? Ich fing an vieles zu hinterfragen und jede unbeantwortete Frage tat ein wenig mehr weh. Plötzlich passten immer mehr Puzzle-Stücke ineinander und meine Wut wuchs ins Unermessliche. Er hatte mir nicht nur das Herz gebrochen, nein, er hatte mich auch belogen und hintergangen.

Zwischen uns herrschte Funkstille. Jeglicher Kontakt hatte in Vorwürfen und hässlichen Streitereien geendet. Jeglicher Post von ihm, den ich auf Facebook sah, versetzte meinem Herzen einen Stich.

Einige Monate gingen ins Land, ich fand mich in einer neuen Beziehung wieder, fühlte mich geliebt und lernte wieder zu vertrauen. Der Groll gegen ihn wurde kleiner und im Februar diesen Jahres fanden wir uns auf einer Bank im Mauerpark zur Aussprache wieder. Wir sprachen über alles, was passiert war. Konnten teilweise schon darüber lachen. Ich hatte lange auf den Moment gewartet, indem er mir in die Augen sehen und sich entschuldigen würde. Ich nahm die Entschuldigung an und es war wie ein Befreiungsschlag für mich. Endlich konnte ich all die Wut loslassen, die ich seit Monaten mit mir herum trug. Frieden mit der Vergangenheit schließen und meinen Blick in die Zukunft richten.

“Forgiveness does not change the past but it does enlarge the future.” – Paul Boese

Ich dachte, die Zukunft läge in meiner neuen Beziehung, doch diese zerbrach wenige Wochen später. Seine Gefühle reichten nicht mehr. Erneut riss es mir den Boden unter den Füßen weg und als nahezu zeitgleich mein geliebter Kater fast gestorben wäre und zweimal notoperiert werden musste, fragte ich mich, wieviel ein Mensch noch ertragen kann und soll.

Ich habe in dieser Zeit wahnsinnig viel geweint, hatte einen Kreislauf-Zusammenbruch beim Tierarzt und wäre am liebsten vor all den Sorgen und Problemen einfach davon gelaufen. Doch ich konnte nicht. Mein Job, meine Wohnung und die Verantwortung für meine beiden Racker hielten mich hier.

So blieb mir nichts anderes übrig, als auch diese Phase meines Lebens irgendwie zu überstehen. Ich fing an mir wahnsinnig viele Gedanken über mich, mein Leben, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu machen. Ich begann mich mit positiver Psychologie und auch ein wenig mit Spiritualität zu beschäftigen.
Und kam wieder einmal mehr zu der Überzeugung, dass alles im Leben seinen Sinn hat. Dass das Schicksal unseren Weg kennt und uns leitet.

Schlimme Dinge geschehen, Menschen treten in dein Leben und verlassen es wieder – um dir eine Lektion zu erteilen. Wenn du sie nicht lernst, wirst du immer wieder in ähnliche Situationen geraten, bis du verstehst, was dein Schicksal dir mitteilen möchte und was du ändern sollst, um einen neuen, besseren Weg einzuschlagen.
Ich habe immer wieder Menschen in mein Leben gezogen, die mir nicht gut taten. Die mich schlecht behandelt und mich zutiefst verletzt haben. Immer wieder habe ich mich gefragt, womit ich das verdient habe. Dabei lag der Schlüssel die ganze Zeit bei mir selbst:
“The way you treat yourself sets the standard for others.”  – Sonya Friedman

Ich war immer diejenige, die sich für Andere aufgeopfert und sich selbst dabei vergessen hat. Diejenige, die sich lieber um die Probleme anderer als um ihre eigenen kümmerte. Warum sollten mich andere Menschen aufrichtig lieben und schätzen, wenn ich es selbst nicht tue?

“The outer conditions of a person’s life will always be found to reflect their inner beliefs.” – James Allen

Dieses turbulente letzte Jahr hat mich an meine seelischen und körperlichen Grenzen gebracht, doch es hat mich auch aufgeweckt. Nach fast 25 Jahren ist die Botschaft angekommen, die mich all die Lektionen immer wieder lehren wollten: Ich muss lernen, mich selbst zu lieben. MEIN Leben leben und nicht das Leben anderer. Eine Anleitung dafür wird mir niemand geben können, denn diesen Weg muss ich nun wohl zum ersten Mal ganz allein beschreiten.

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9 Kommentare

  • Reply
    Jana
    5. August 2014 at 23:12

    In ähnlicher Phase hat mich besonders diese Seite aufgebaut und gestärkt: http://www.change-dein-leben.de Der Crashkurs-Newsletter enthält schon viele wertvolle Tipps.

    • Reply
      neoncat
      6. August 2014 at 15:04

      Lieben Dank, werd ich mir mal anschauen! :)

  • Reply
    Kronjuwel
    6. August 2014 at 9:43

    Habe dich irgendwie ne Zeitlang aus den Augen verloren im Netz und gar nichts mehr von dir mitbekommen. Bin dann neulich wieder über dich gestolpert und jetzt auch über deinen Blog, wusste gar nicht mal, dass du einen hast ^^

    Über sowas zu schreiben kann sehr befreiend sein, betrogen und hintergangen zu werden ist wirklich hart, man muss sich immer vor Augen halten, dass man selbst aber nicht der Grund dafür ist, die Schuld lag nicht bei dir, der Typ ist einfach ein emotionaler Krüppel, der nicht zu schätzen wusste, was er hatte. Du kannst letztendlich froh sein, den los zu sein.
    Auch, dass deine neue Beziehung wieder nach kurzer zeit in die Brüche ging, lag sicher nicht an dir (das hast du ja selbst auch schon erkannt), ihr ward wohl einfach nicht die richtigen füreinander. Genau wie mit dem Typen davor. Du bist noch so jung und der passende Partner wird sich schon finden, bis dahin genieß das Alleinsein und lass es auf dich zukommen, wie es kommt.

    • Reply
      neoncat
      6. August 2014 at 15:03

      Danke für deinen Kommentar! :)

      Ich werd versuchen den Blog nun auch wieder regelmäßiger zu füttern :D

      Ich mache keinem meiner Ex-Freunde einen Vorwurf, verstehe mich mit Beiden inzwischen wieder ziemlich gut und wir werden alle unseren Weg gehen!

  • Reply
    Raven
    6. August 2014 at 14:30

    Vorab: Ich habe eine etwas zwiespaltige Antwort zu deinem ehrlichen Post. Ich finde vieles Toll, manches kritisch.

    Was du da alles herausziehst finde ich echt toll! Sich allerdings nach 2 Trennungen zu fragen „was ein Mensch noch alles ertragen kann und soll“, zeugt von wenig Durchhaltevermögen. In dem Moment erscheint es vielleicht als schrecklich, aber grade nach der 2. Beziehung, die scheinbar nicht allzu lange gedauert hat, sollte man doch mit „fast 25“ sagen können: „Es geht mir jetzt schlecht – richtig dreckig sogar, aber jedes Ende ist ein neuer Anfang, und auf Regen folgt Sonne.“

    Allerdings schreibst du eben auch sehr viel darüber, dass du wohl gerade das nun endlich gelernt hast – und das ist toll. Denn das macht dein Leben so viel besser.

    Außerdem finde ich diesen Teil sehr wichtig, und mit meiner Meinung dazu möchte ich dich in deinen neuen Erkenntnissen auch noch bestärken:
    „Ich war immer diejenige, die sich für Andere aufgeopfert und sich selbst dabei vergessen hat. Diejenige, die sich lieber um die Probleme anderer als um ihre eigenen kümmerte.“
    Das sind meiner Meinung nach nicht unbedingt Dinge, die Hand in Hand gehen.
    Sich aufopfern für andere und viel für sie tun ist selbstlos und sehr nobel. Sich lieber um die Probleme anderer kümmern ist in gewisser Weise egoistisch. Denn der Grund, warum man sich nicht um sich kümmert liegt meist darin, dass es der schwerere Weg ist.

    Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen ist oft wie mit jemand völlig Fremden auf engstem Raum eingesperrt zu sein, besonders nach langen Beziehungen. Wie du schon sagst, ist man oft auch einfach die meiste Zeit damit beschäftigt, es anderen recht zu machen statt sein eigenes Leben zu leben. Dadurch verliert man irgendwann den Blick dafür, wer man eigentlich ist. Wenn man dann gezwungen wird, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, scheint der nach außen edle Ausweg in die Probleme anderer unterbewusst als beste Lösung.

    Daher muss ich noch mal betonen: Es ist toll, dass die Botschaft, wie du sagst, angekommen ist. Sei für die Leute da, die es wert sind, und schließe dich mit ein!

    • Reply
      neoncat
      6. August 2014 at 15:02

      Vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar!

      Es ist im Post vielleicht etwas unglücklich formuliert, ich habe in meinem Leben schon ein wenig mehr erlebt und durchgemacht als diese 2 Trennungen. Der Fast-Tod meines Katers war dann einfach die Spitze des Eisberges, wo ich das Gefühl hatte einfach nicht mehr zu können…

      Deine restlichen Aussagen kann ich nur unterschreiben. Auch, dass sich um die Probleme Anderer kümmern der einfacherer Weg ist als sich mit sich selbst auseinanderzusetzen ist leider sehr wahr.
      Ich bin frohen Mutes, dass ich bald mit der „Fremden“ allein auf engem Raum sein kann, ohne mich unwohl zu fühlen :)

      • Reply
        Raven
        7. August 2014 at 9:19

        Na klar, dass du auch mehr schlimmes erlebt hast als das im Post dachte ich mir schon :) Aber das ist es eben – ich denke, die Trennung nach 4 Jahren war sicherlich der Horror, gerade mit dem Betrug. Das danach ist enttäuschend, aber du hast sicher schlimmeres durch! Den Fast-Tod habe ich nicht erwähnt, weil das eben auch wirklich schrecklich ist. So ein Tier ist ja wie ein Familienmitglied. Das sollte jetzt nicht so rüberkommen, als wär das ganze nicht schlimm – nur die Formulierung „was soll man noch alles ertragen“ – die war in meinen Augen etwas übertrieben. Aber sowas erlebt man ja auch, damit man stärker wird.

        Ich wünsch dir ganz viel Erfolg dabei!

  • Reply
    Jessica
    9. September 2014 at 20:26

    Du sprichst mir aus der Seele. Bei mir waren es 5 Jahre…ich hab mich damals gefühlt, als hätte mir jemand das Herz raus gerissen…
    Fühl dich aus der Ferne (und im Unbekannten ^^) gedrückt!!

    LG

    • Reply
      neoncat
      10. September 2014 at 15:52

      Vielen lieben Dank dir und fühl dich zurück gedrückt <3

      Das Schöne an solchen Situationen ist, dass man im Nachhinein immer stärker ist und weiß, dass man auch durch solch dunkle Zeiten kommt und am Ende wieder lachen kann und glücklich ist. :)

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